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Der heilige Nikolaus in der Ukraine: Geschichte, Traditionen und wichtige Daten

     Der heilige Nikolaus, auf Ukrainisch Святий Миколай (Sviatyi Mykolai) oder einfach Миколай, ist einer der beliebtesten und verehrtesten Heiligen der Ukraine. Er gilt als Symbol für Güte, Großzügigkeit, den Schutz der Schwachen (insbesondere von Kindern, Seeleuten und Armen) und für Wunder. In der ukrainischen Kultur markiert sein Gedenktag den freudigen Beginn der Winterferienzeit, lange vor Weihnachten.

Historischer Hintergrund:

     Der heilige Nikolaus, der Wundertäter (Миколай Чудотворець), war eine historische Persönlichkeit – ein christlicher Bischof, der um 270–280 n. Chr. in Patara (heute Türkei) geboren wurde und als Bischof von Myra (heute Demre) wirkte. Er starb am 6. Dezember 343 n. Chr. (oder 345/346 nach einigen Quellen). Legenden erzählen von seinen geheimen Wohltaten, wie etwa dem Werfen von Goldsäcken durch Fenster, um drei arme Schwestern vor der Armut zu retten (eine Geschichte, die den Brauch der Überraschungsgeschenke inspirierte), der Rettung von Seeleuten aus Stürmen und der Verteidigung des Glaubens auf dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 n. Chr.
Das Christentum kam im Jahr 988 n. Chr. unter Fürst Wolodymyr dem Großen in die Kiewer Rus (den mittelalterlichen Staat, der einen Großteil der heutigen Ukraine umfasste). Der heilige Nikolaus wurde schnell zu einem der meistverehrten Heiligen. Im 11. Im Jahrhundert wurde er in Kirchen geehrt, Ikonen von ihm hingen in Privathäusern und auf Ikonostasen (oft neben Christus oder der Jungfrau Maria), und sein Fest wurde weithin gefeiert.

Die ukrainische Volkstradition unterschied sogar zwei „Nikolaus“:

  • Kalter Nikolaus“ (зимовий Миколай) – der Winterheilige, der mit Schnee in Verbindung gebracht wird (er „schüttelt seinen Bart“, um den ersten Frost herbeizuführen).
  • Warmer Nikolaus“ (весняний Миколай) – sein Gedenktag ist der 22. Mai (9. Mai nach altem Stil) und steht in Verbindung mit der Landwirtschaft, dem Trocknen nasser Felder und dem Beginn der Weidezeit.

In Häfen und unter den Kosaken wurde er besonders als Schutzpatron der Seeleute verehrt – Ikonen des Heiligen Nikolaus wurden auf Schiffen mitgeführt, die das Schwarze Meer befuhren. Der Nikolauskult entwickelte sich in der Ukraine stark und überdauerte die Jahrhunderte, auch unter polnisch-litauischer, Kosaken- und sogar Sowjetherrschaft (als viele religiöse Traditionen unterdrückt wurden, die Volksbräuche aber stillschweigend fortbestanden).

Nikolaustag: Wichtige Termine in der modernen Ukraine

Nikolaustag: Wichtige Termine in der modernen Ukraine

     Bis 2022/23: Gefeiert am 19. Dezember (6. Dezember nach dem Julianischen Kalender, dem die orthodoxen und griechisch-katholischen Kirchen in der Ukraine folgten).
Seit 2023: Nach der Umstellung auf den revidierten/neuen Julianischen Kalender (der stärker an den Gregorianischen Kalender angelehnt ist) durch die Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) und die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche (nachdem Russlands Invasion 2022 die Entrussifizierung des kirchlichen Lebens beschleunigt hatte), wird der Nikolaustag nun offiziell am 6. Dezember begangen. Die Nacht vom 5. auf den 6. Dezember wird oft „Magische Nacht“ (Чарівна ніч) oder einfach Nikolausnacht genannt.

Diese Änderung bringt die Ukraine näher an westliche christliche Länder heran (in denen der Nikolaustag am 6. Dezember gefeiert wird) und grenzt sie von den russisch-orthodoxen Traditionen ab.

Ukrainische Traditionen und Bräuche zum Nikolaustag

Der Nikolaustag ist in der Ukraine vor allem ein Kinderfest – ein Tag der Freude, kleiner Wunder und familiärer Wärme. Er läutet die Winterfestlichkeiten ein. Zu den wichtigsten Traditionen gehören:

  • Geschenke verteilen: Kinder legen Schuhe, Stiefel oder Strümpfe ans Fenster oder unter das Kopfkissen. Der (unsichtbare) Nikolaus bringt braven Kindern in der Nacht Süßigkeiten, Spielzeug, Obst oder kleine Geschenke. Unartige Kinder finden vielleicht eine Rute (Birkenrute), Kohle oder Kartoffeln als sanfte Erinnerung an gutes Benehmen. In modernen Familien übernehmen oft die Eltern diese Rolle, doch der Zauber des heimlichen Kommens bleibt erhalten.
  • Familie und Wohltätigkeit: Familien kommen zusammen, teilen Leckereien und helfen Bedürftigen – ganz im Sinne der Großzügigkeit des Nikolaus. Viele organisieren Spendenaktionen für Waisen, vertriebene Kinder oder Soldaten.
  • In der Westukraine (insbesondere in den Karpaten und Galizien): Etwas theatralischer – der Nikolaus erscheint mit einem Engel und einem Teufel. Der Engel lobt gute Taten, der Teufel neckt zum Unfug. Kinder tragen Gedichte oder Lieder vor.
  • Schul- und Gemeindeveranstaltungen: Konzerte, Theateraufführungen und Besuche des Nikolaus in Kindergärten und Schulen.
  • Essen und Bräuche: Früher – Bierbrauen, Festessen mit Gästen, Jahrmärkte (Vorweihnachtsmärkte). Heute – Lebkuchen, Süßigkeiten, gemütliche Familienessen.
  • Keine großen öffentlichen Umzüge wie beim Weihnachtsmann im Westen – es ist intimer und familiärer.

Anders als der westliche Weihnachtsmann (eine weltliche, kommerzielle Figur, die mit Heiligabend verbunden ist) ist der ukrainische Nikolaus ein religiöser Heiliger – ein gütiger Bischof, kein fröhlicher Elf. Die Geschenke sind hier bescheiden und symbolisch, der Fokus liegt auf Nächstenliebe statt auf Prunk.

Nikolaus vs. Weihnachten im Westen: Die wichtigsten Unterschiede

  •  In der Ukraine findet die Bescherung hauptsächlich am 6. Dezember (Nikolaustag) statt, nicht an Weihnachten.
  • Weihnachten (Різдво) wird am 25. Dezember (für viele seit 2023 nach dem neuen Kalender) oder traditionell am 7. Januar (nach dem alten Kalender) gefeiert.
  • Hat Väterchen Frost (eine Figur aus der Sowjetzeit) an Popularität verloren?
  • Der Nikolaus gewinnt seine Rolle als wahrer Gabenbringer zurück. Der Fokus liegt auf Wundern, Nächstenliebe und Glauben statt auf Konsum.

Selbst in schwierigen Zeiten (Krieg, Not) halten die Ukrainer diese Tradition am Leben – oft durch Hilfsaktionen, um sicherzustellen, dass jedes Kind ein kleines Geschenk erhält. Der Nikolaus bleibt ein starkes Symbol der Hoffnung, des Schutzes und der Menschlichkeit.

Святий Миколай іде – Різдво веде („Der heilige Nikolaus kommt – er führt Weihnachten an“). Dieses alte Sprichwort bringt seine Rolle perfekt auf den Punkt: der sanfte Heilige, der die Tür zur magischen Wintersaison in der Ukraine öffnet.
 

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